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Nichtraucher
Raus auf's Rauchersofa
Striktes Rauchverbot in England tritt ab 01.07.2007 in Krafft
Die meisten nehmen's gelassen.
Ein Beitrag von Annette Reuther
London. Der Ärger um das Rauchverbot fängt in Großbritannien nicht im Pub, sondern in der Kirche an. Denn auch dort sollen vom 01.07.2007 an rot-weiße "No Smoking" - Schilder auf das neue Gesetz hinweisen. Lächerlich, schimpfen Kirchenvertreter, die Menschen würden vielleicht Essen oder Haustiere in die Gotteshäuser schmuggeln - aber keine Kippe auf der Kirchenbank rauchen.
Ob im Gebetsstuhl, der Disco, der Bierstube oder im Königspalast: Vom 1. Juli 2007, Punkt 6:00 Uhr, an gilt in Großbritannien ein komplettes Rauchverbot. Was in Deutschland seit Monaten Anlass verbissener Grabenkämpfe ist, nehmen viele Briten mit relativer Gelassenheit hin. Auch wenn es eines der striktesten Rauchverbote in Europa ist. Nach dem Vorbild Irlands wird das Qualmen in allen öffentlichen Gebäuden, in Gaststätten und sogar im Dienstwagen verboten. Ausnahmeregelungen wie zum Beispiel in Spanien, wo trotz Rauchverbots abgegrenzte Raucherzonen erlaubt sind, wird es nicht geben. In den teilautonomen Regionen Schottland, Wales und Nordirland gilt der so genannte "Smoking Ban" bereits seit Längerem, in England tritt das im Februar 2006 beschlossene Gesetz erst jetzt in Krafft. "Manche sind verärgert, aber die Leute werden sich schon daran gewöhnen", sagt Mary, die im Londoner Pub "The Gate" arbeitet. "Wir müssen nur aufpassen, dass nicht alle heimlich auf der Toilette rauchen." Nichtraucher sind erleichtert: "Meine Kleidung stinkt dann nicht mehr, wenn ich unterwegs war, und ich muss nicht mehr passiv mitrauchen", sagt Hanno Terveen, ein Hamburger in London.
Emsig statten Pub-Besitzer ihre Terrassen mit Heizpilzen, Sofas und Schirmen aus, um die Raucher nicht im Regen stehen zu lassen. Immerhin gibt es in Großbritannien rund zehn Millionen von ihnen - Was unverständlich ist in einem Land, in dem die Schachtel Zigaretten mehr als fünf Pfund, also fast acht Euro kostet. Angst vor fehlender Kundschaft müssen die Pubs wohl nicht haben: Nach einer Umfrage des Statistikamtes unterstützen drei Viertel der Bevölkerung das Rauchverbot. 15 Prozent der Menschen wollen demnach sogar öfter in den Pub gehen, nur acht Prozent sagen, sie bleiben den Gaststätten wegen des Rauchverbots fern. Den vielen arabischen Shisha-Läden, in denen Wasserpfeife geraucht wird, droht dagegen das Aus. "Ich werde große Verluste machen", sagt der Londoner Cafè-Betreiber Qaas Ali, "90 Prozent meines Umsatzes mache ich mit Shishas." Kritik kommt auch von Lobbyverbänden: "Großbritannien wird zum Kindermädchen-Staat", sagt Simon Clark, Direktor des Raucher-Verbandes Forest. " ´Jeder sollte reif genug sein, zu entscheiden, was gut für ihn ist".
Englands Raucher gehen nicht nur schweren, sondern möglicherweise auch teuren Zeiten entgegen: Bis zu 80 Pfund (120 Euro) kann es kosten, Kippen auf die Straße zu werfen. Das Qualmen innerhalb von Gaststätten wird mit 50 Pfund geahndet., und Gastwirte können mit bis zu 2500 Pfund zur Kasse gebeten werden, wenn sie nicht dafür sorgen, dass die Menschen in ihren Räumlichkeiten nicht rauchen.
dpa
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